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Höchstes Schmerzengeld in Österreich: € 350.000 bei schwerem Behandlungsfehler

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Das Oberlandesgericht Innsbruck hat im Juli 2024 das bislang höchste Schmerzengeld in Österreich zugesprochen: € 350.000. Die Entscheidung betrifft einen schweren ärztlichen Behandlungsfehler bei einer Geburt mit lebenslangen Folgen für ein Kind. Das Urteil zeigt deutlich, dass österreichische Gerichte bei gravierenden Schäden zunehmend höhere Schmerzengeldbeträge zusprechen.

1Rekord-Schmerzengeld nach ärztlichem Kunstfehler

In einem tragischen Arzthaftungsfall sprach das OLG Innsbruck einem mittlerweile achtjährigen Kind ein Schmerzengeld von € 350.000 sowie zusätzlich € 50.000 Verunstaltungsentschädigung zu. Ursache war eine verspätete Kaiserschnittgeburt, die zu einer schweren hypoxischen Enzephalopathie (Sauerstoffmangel des Gehirns) führte.

Das Kind leidet an einer schwersten spastischen Cerebralparese, ist vollständig pflegebedürftig (Pflegestufe VII) und wird lebenslang auf fremde Hilfe angewiesen sein.

2Welche gesundheitlichen Folgen lagen vor?

Das Gericht stellte unter anderem folgende Dauerfolgen fest:

  • globale Entwicklungsstörung
  • fehlende Sprach- und Kommunikationsfähigkeit
  • massive motorische Einschränkungen (GMFCS Level V)
  • Seh- und Hörbehinderungen
  • tägliche mittelstarke bis starke Schmerzen
  • deutlich reduzierte Lebenserwartung

Eine Verbesserung des Gesundheitszustands ist medizinisch ausgeschlossen.

3Warum ist dieses Urteil rechtlich so bedeutend?

Dieses Urteil markiert einen neuen Höchststand beim Schmerzengeld in Österreich. Die Entscheidung fügt sich in eine langjährige Entwicklung steigender Schmerzengeldbeträge bei schwersten Personenschäden ein:

  • bis 2000: meist unter € 100.000
  • ab 2002: Überschreiten der € 200.000-Grenze
  • ab 2016: € 250.000
  • 2020: erstmals über € 300.000
  • 2024: € 350.000 (neuer Höchstwert)

Die Gerichte folgen damit der Rechtsprechung des OGH, wonach Schmerzengeld nicht zu knapp zu bemessen ist.

4Was bedeutet das für Betroffene von Behandlungsfehlern?

Das Urteil zeigt klar:

  • Auch in Österreich sind hohe Schmerzengeldbeträge möglich
  • Voraussetzung ist ein schwerer Behandlungs- oder Aufklärungsfehler
  • Entscheidend sind Dauerfolgen, Leidensintensität und Prognose
  • Eine sorgfältige medizinische und rechtliche Aufarbeitung ist unerlässlich

Gerade bei Geburtsschäden, schweren Hirnschäden oder dauerhaften Pflegebedürftigkeiten können erhebliche Schadenersatz- und Schmerzengeldansprüche bestehen.

5Rechtliche Beratung bei Arzthaftung

Die Durchsetzung von Schmerzengeld nach ärztlichen Fehlern ist komplex und erfordert:

  • genaue Analyse der Krankengeschichte
  • Einbindung medizinischer Sachverständiger
  • korrekte Bemessung des Schmerzengeldes
  • Beachtung von Verjährungsfristen

Als Rechtsanwalt für Arzthaftung unterstütze ich Betroffene und Angehörige bei der Durchsetzung berechtigter Ansprüche.